
Edith Stein wird am 12. Oktober 1891 in Breslau geboren Im jüdischen Glauben erzogen wird sie als Gymnasiastin und Studentin zur Atheistin. Sie studiert Philosophie in Göttingen und Breslau, promoviert „summa cum laude" bei Edmund Husserl in Freiburg über das Thema „Einfühlung" und wird Assistentin des berühmten Philosophen.
Der Tod von Husserls Assistenten Adolf Reinach im ersten Weltkrieg (1917) trifft Edith Stein schwer. Von seiner Witwe Anna Reinach wird sie um Ordnung des Nachlasses gebeten. Tief beeindruckt erkennt Edith, wie gut diese den Tod ihres Mannes mit Hilfe ihres Glaubens bewältigt und sogar noch Trost spenden kann.
Immer mehr beginnt Edith, sich mit christlichen Autoren und dem Neuen Testament zu beschäftigen. Intellektuell ist sie immer mehr von der Wahrheit des katholischen Glaubens überzeugt. Zwischen 1919 und 1932 versucht Edith Stein insgesamt viermal ihre Habilitation zu einzureichen. Ihr Bemühen bleibt vergeblich. Niemand wagt es, einer Frau, noch dazu einer Jüdin, eine universitäre Laufbahn zu ermöglichen.
An einem Sommerabend im Jahr 1921 findet Edith im Haus ihrer Freunde Hedwig Martius und Theodor Conrad in Bergzabern die Selbstbiographie der Heiligen Theresa von Avila. Das Buch nimmt sie so gefangen, dass sie es in einem Zug bis zur Morgendämmerung ausliest. Als sie es schließt, sagt Edith zu sich selbst: „Das ist die Wahrheit". Sie hatte ständig nach der Wahrheit gesucht, nun trat sie ihr gegenüber, nicht als abstrakter Begriff, sondern als Person, als lebendiger Gott. Entschlossen, zum katholischen Glauben überzutreten und sich auf die Taufe vorzubereiten, kauft sie sich einen katholischen Katechismus. Sie spürt die Sehnsucht, Karmelitin wie die Hl. Theresa von Avila zu werden.
Nach den vielen Enttäuschungen und Leiden der Jahre davor (der unerfüllte Habilitationswunsch; die Unmöglichkeit, eine erfüllende Arbeit zu finden; unerwiderte Liebe und der Verlust einiger Freunde im ersten Weltkrieg) empfindet sie ihren Entschluss, katholisch zu werden, als große Befreiung.
Am 1. Januar 1922, dem Fest der Beschneidung des Herrn, wird Edith in Bergzabern getauft, am 2. Februar, dem Fest der Reinigung Mariens im Tempel, wird sie in der Hauskapelle des Bischofs von Speyer gefirmt. Beide Festtage sind von Edith Stein bewusst gewählt, da hier die jüdischen Wurzeln des Christentums deutlich zum Vorschein kommen. Ihre Konversion zum Christentum ist für Edith auch eine Wiederentdeckung ihres eigenen Judentums, und sie besteht darauf, sich als Judenchristin zu bezeichnen.
Mit ihrem Wunsch, Christentum und Judentum zu versöhnen, ist sie allerdings ihrer Zeit weit voraus. Schon in der eigenen Familie wird ihr die bestehende Trennung schmerzlich bewusst: „Eben jetzt habe ich schwere Tage. Für meine Mutter ist der Übertritt das Schlimmste, was ich ihr antun kann, und mir ist es schrecklich zu sehen, wie sie sich damit quält und ich ihr nichts erleichtern kann. Denn es gibt hier eine absolute Grenze des Verständnisses." (Stein, Edith: „Briefe an Roman Ingarden", ESW XIV; Brief 78, 15. 10. 1921, S. 142)
Nach ihrer Bekehrung arbeitet sie zunächst als Gymniasallehrerin, tritt dann aber später in den Kölner Karmel ein und bekommt den Namen Teresia Benedicta a Cruce (Theresia, gesegnet vom Kreuz). Im Karmel entstehen ihre beiden Hauptwerke „Endliches und ewiges Sein" und die - unvollendet gebliebene - „Kreuzeswissenschaft".
Aus politischen Gründen wechselt sie in den Karmel von Echt/Holland. Anfang August 1942 - nach einem holländischen Hirtenwort zur Judenverfolgung - wird sie von der Gestapo abgeholt und am 7. August 1942 nach Auschwitz deportiert.
Vermutlich wird sie zwei Tage später in Auschwitz oder in Birkenau in der Gaskammer ermordet.
Edith Stein wird am 1. Mai 1987 in Köln selig, am 11. Oktober 1998 in Rom heilig gesprochen.
"Wenn heute Edith Stein zur Mitpatronin Europas erklärt wird, soll damit auf dem Horizont des alten Kontinents ein Banner gegenseitiger Achtung, Toleranz und Gastfreundschaft aufgezogen werden, das Männer und Frauen einlädt, sich über die ethnischen, kulturellen und religiösen Unterschiede hinaus zu verstehen und anzunehmen, um eine wahrhaft geschwisterliche Gemeinschaft zu bilden".
(Johannes Paul II.)